Malariaprophylaxe - Doxycycline

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Thompazoni
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Malariaprophylaxe - Doxycycline

Ungelesener Beitrag von Thompazoni »

Hallo!

War gestern beim Tropical Medical Bureau in Dublin und dort hat man mir waehrend meiner 3 1/2 monatigen Suedostasienreise zur Malariaprophylaxe mit Doxycycline geraten. Ich wuerde natuerlich gerne darauf verzichten, wochenlang Antibiotika zu schlucken, aber da ich wohl in Risikogebiete in Laos, Vietnam, Kambodscha reisen werde, hat Frau Doktor ein stand-by Produkt strikt abgelehnt!

Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrungen mit Doxycycline? Die Liste der etwaigen Nebenwirkungen ist ja ziemlich lang. Heisst das z.B., dass ich mich aufgrund der Photosensibilisierung gar nicht mehr an den Strand legen darf?

Bin fuer jeden Tip dankbar!

Slan go foill,
Tom
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Frank
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Doxy

Ungelesener Beitrag von Frank »

Hi Thompazoni,

meine Freundin und ich nahmen in Laos Doxy. Es scheint bei diesem Medikament nur absolute Ablehnung oder Zustimmung zu geben. Wir hatten keinerlei Probleme (auch nicht mit der Lichtempfindlichkeit) und epfanden es verträglicher als Paludrine, Resochin etc.. Allerdings habe ich auch schon gehört, dass einige Personen enorme Probleme mit der Lichtempfindlichkeit hatten. Wenn Du in Vietnam, Thailand etc. tauchen möchtest solltest Du Doxy in Erwägung ziehen, da z.B. Lariam Probleme mit dem räumlichen Sehen verusachen kann (und vieles mehr).
Malrone wird für Kambodscha und Laos ebenfalls epfohlen und scheit deutlich weniger Nebenwirkungen zu haben als Lariam.
Vieleicht sieht mann sich in SOA (wir werden ab März dort sein)

See ya,
Frank
Thompazoni
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Malariaprophylaxe mit Doxycyclin

Ungelesener Beitrag von Thompazoni »

Hmmm, nachdem ich mich durch zahllose Websites gequaelt habe und mich die etwaigen Nebenwirkungen bei der Chemoprophylaxe fast um den Schlaf gebracht haben, bin ich mittlerweile soweit, dass ich es wohl doch mit einem Stand-by-Produkt versuchen werde.

Meine Reiseroute sieht in etwa folgt aus: Bangkok, Chiang Mai, dann rueber nach Laos via Chiang Khong, Luang Prabang, Vientiane, nach Vietnam via Savannahket, Hanoi, Da Nang, Ho Chi Minh, nach Kambodscha, Pnomh Penh, Ko Chang...

Kann jemand was ueber Malarone oder Retiam berichten? Preis, in SOA erhaeltlich, Menge?

Slan,
Thompazoni
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MArtin
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Malariaprophylaxe

Ungelesener Beitrag von MArtin »

Hi Tom,
zunächst einmal vielen Dank, dass Du Deine Frage zur Malariaprophylaxe mit Doxycyclin noch mal hier gepostet hast!
Obwohl Tetracycline im Vergleich zu anderen Medikamenten zur Malariaprophylaxe ein relativ geringes Nebenwirkungsspektrum haben, sind 3½ Monate (plus 1 Woche vorher und 4 Wochen nachher) tatsächlich eine lange Einnahmezeit, sodass ich Deine Bedenken gut verstehen kann.
Ich will mal versuchen, Dir aus Sicht eines Arztes und ehemaligen Malariapatientens zu antworten:
Wie immer in der Medizin läuft es auf eine Abwägung des vermutlichen Nutzens und potentiellen Schadens hinaus. In diese Abwägung fließen eine ganze Reihe von (z.T. unbekannten!) Parametern ein. Dazu gehören neben der Schwere der abzuwendenden Erkrankung das persönliche Infektionsrisiko, die patientenindividuell (Alter, Vorerkrankungen, Einnahmedauer, Einnahme weiterer Medikamente, Alkoholkonsum etc. pp.) abzuschätzenden potentiellen Medikamentennebenwirkungen und die Höhe des tatsächlich von der Prophylaxe etablierten Schutzes. Im Einzelnen:
Malaria (es gibt 3 Arten) wird durch weibliche Anopheles Mücken (Moskitos) übertragen ist eine sehr unangenehme, möglicherweise tödlich verlaufende Krankheit. Je mehr Malariaanfälle man erleidet, desto länger dauert die Rekonvaleszenz. Ich selbst habe einmal (trotz Prophylaxe) 10 Tage lang an einer Malaria tertiana aus Chiang Mai gelitten, die mich anschließend über 3 Monate völlig aus dem Verkehr gezogen hat.
Schwer abzuschätzen ist Dein zu erwartendes Infektionsrisiko. Das Risiko einer Malariainfektion schwankt ständig, es ist u.a. ort- saison- und wetterabhängig, von Europa aus also kaum abschätzbar. Neben den Ärzten vor Ort verfügen am ehesten noch die medizinischen Tropeninstitute über einigermaßen aktuelle Daten. Durch konsequente Expositionsprophylaxe (Bekleidung, Repellentien, Moskitonetz etc.) kannst Du das Infektionsrisiko auch selbst erheblich senken.
Die Tropenmedizinerin hält in Kenntnis Deiner Vorgeschichte und Deiner Reiseziele Doxycyclin für das am besten geeignete Medikament zur Malariaprophylaxe. Ihre aktuellen Malaria- Informationen, ihre Detailkenntnisse über Dich und Deine Reise sowie ihre Spezialausbildung befähigen sie mehr als irgendeine Internet- Quelle zur richtigen Wahl Deiner Medikation.
Eine evtl. mögliche Nebenwirkung von Tetracyclinen ist tatsächlich die von Dir angesprochene Photosensibilisierung, die vermehrt bei Hellhäutigen auftreten kann. Im sehr seltenen Extremfall kann sie tatsächlich dazu führen, dass Deine Haut auf UV- Bestrahlung so vehement reagiert, dass Dir die Lust auf Strand gründlich vergeht. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde ich einen Arzt vor Ort aufsuchen und ihn nach möglichen Alternativen befragen. Das ist äußerst preisgünstig und Du hast auch die Gewähr, den Rat eines wirklichen Malariaspezialisten zu erhalten. Denn Malaria ist dort das tägliche Brot der Mediziner, mit dem sie sich bestens auskennen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Dir eine Photosensibilisierung erspart bleibt und Du dem Strandleben ganz nach Lust und Laune frönen kannst.
Wenig hilfreich für Deine Entscheidung und höchstens verunsichernd ist es meines Erachtens, andere Reisende nach ihren persönlichen Erfahrungen zu befragen. Erstens wirst Du so niemals ein auch nur annährend repräsentatives, aussagekräftiges Bild erhalten (wie es z.B. medizinischen Instituten vorliegt). Zweitens scheint es mir nicht logisch, einer auch noch so vehement vorgetragenen Einzelfall- Erfahrung aus dem "Laiensystem" mehr zu trauen als den Ergebnissen eines ganzen Wissenschaftszweiges, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit der Bekämpfung und Vorbeugung von Malaria beschäftigt.
Die Mitgabe einer Stand-By- Medikation ist aus mehreren Gründen tatsächlich nicht ganz unproblematisch. Einerseits weil es kein universelles Malariamedikament gibt, sondern Verteilungsmuster und Resistenzlage vor Ort auch die Wahl der Therapie bestimmt. Andererseits, weil auch andere Krankheiten (und hier besonders das Dengue- Fieber) malariaähnliche Symptome hervorrufen. Die Einnahme eines Malariamedikamentes ist bei Dengue aber überhaupt nicht angezeigt und verschleppt nur eine effektive Behandlung des ebenfalls potentiell tödlichen Dengue Fiebers. (Bemerkung am Rande: In Gegenden mit Dengue Fieber sollte man als Schmerz- und Fiebermittel kein Aspirin, sondern Paracetamol einnehmen.)
Wir selbst verzichten bei mehrmonatigen Reisen in gemäßigten Malariagebieten meist auf eine medikamentöse Prophylaxe wenn wir wissen, dass medizinische Hilfe stets innerhalb eines Tages erreichbar ist. Aber das ist eine individuelle Entscheidung, zu der auch MArtins Malariaerkrankung beigetragen hat: Erstens weiß er jetzt aus eigener Erfahrung, wie sich Malaria anfühlt und zweitens trat seine Malaria wegen der eingenommenen Prophylaxe nämlich erst 7 Monate nach Rückkehr auf, als niemand mehr mit ihr gerechnet hatte. Ohne Prophylaxe weiss man schon nach 4 Wochen, ob man gesund ist oder nicht.
OK - ich hoffe das hilft erst mal, obwohl es zu diesem Thema noch unendlich viel zu schreiben gäbe.
Ich wünsche Dir eine tolle Reise ganz ohne medikamentöse oder andere Nebenwirkungen.
MArtin
Thompazoni
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Ungelesener Beitrag von Thompazoni »

Besten Dank, das nenne ich mal eine ausfuehrliche Antwort! Also wohl doch Doxy...!?? Moeensch, alles nicht so einfach... wenn ich Dich richtig verstanden habe, kann man aber in jedem Fall das Medikament absetzen/ersetzen, wenn Nebenwirkungen wirklich eintreten sollten?

Ich denke, ich werde das Rezept auf jeden Fall einloesen und dann vor Ort entscheiden. Werde wohl sowieso kaum vor Dezember in Thailand eintreffen.

Slan,
Thompazoni
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Mark

Ungelesener Beitrag von Mark »

Hallo Tom,

Martins Antwort war schon sehr detailliert und richtig.Deshalb nur einige wichtige Ergänzungen:

Die Bundeswehr empfiehlt seinen Soldaten bei Auslandsaufenthalten mit Aufenthalten zwischen 3 Wochen und 6 Monaten in Malariagebieten auch Doxycyclin. Ebenso die Empfehlung der US Army.
Doxycycline wird als Malariaprophylaxe geringer dosiert als als Antibiotikum, deshalb geringere Nebenwirkungen. Zur Dosierung bei der internationalen Apotheke nachfragen. Ist in Deutschland nicht möglich, da Doxy hier nicht zur Malariaprophylaxe zugelassen ist (aus rechtlichen Gründen rechnet sich die Zulassung für die Pharmabonzen nicht, wirkt aber so gut wie Lariam!)
Malarone ist bei der Dauer unbezahlbar aber sehr gut Wirksam, bei geringen Nebenwirkungen.
Als Stand-by präparat wurde Riamet und Lariam empfohlen (Lariam etwas stärker Wirksamkeit; Riamet hat aber geringere Nebenwirkungen, für Lariam sind nicht nur Nebenwirkungen beim Tauchen (Orientierungslosigkeit) beschrieben, sondern auch massive psychogene Wirkungen (Angstzustände, Psychosen, ... , die auch zu sozialen Folgen führen können (Jobverlust, Partnerprobleme). Ich habe selbst eine junge Frau kennengelernt, die 9 Monate nach Lariamprohylaxe (2 Monate) nicht ihre Angstzustände/ Depressionen überwunden hatte, und die zum Sozialfall wurde!

Wichtiger als die Chemoprophylaxe gerade bei Langzeiturlauben ist die Expositionsprophylaxe (Repellent (nur DEET!, alles andere ist kaum wirksam, am besten mit 50% DEET wie NO BITE und Imprägnierung der Kleidung (NO BITE), lange helle Kleidung, gutes Moskitonetz Maschen unter 1,2 mm!, Körperhygiene (Schweiß zieht die Viecher an)
siehe dazu auch www.auswaertiges-amt.de und www.fit-for-travel.de)
Das ist auch für andere Krankheiten (leishmaniose, ..) empfehlenswert, die durch Lariam und Doxy nicht abgehalten werden.

Diese Empfehlungen habe ich im Dezember 2002 auf dem Seminar "Reisemedizin" der Uni Mainz von Medizinern erhalten, die sich nur mit Reisemedizin beschäftigen!

Noch ein Tip zum Schluss: In Asien nimmt der Verkauf von gefakten Medikamenten stark zu, die im günstigsten Fall keinen Wirkstoff enthalten (habe ich schon selbst erlebt), aber auch mal giftig sein können, bis hin zur tödlichen Wirkung (habe ich noch nicht erlebt)
Dazu den Link www.gesundes-reisen.de
Unter Aktuelles: Gefahr durch Arzneimittelfälschungen in Südostasien

Mit neidischen Grüßen (3 1/2 Monate ist eine Frechheit)

Mark
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Gast

Malariaprophylaxe

Ungelesener Beitrag von Gast »

Hallo Tom,

PS: Malariaprophylaktika Malarone, Riamet, Resochin/Paludrine UND LARIAM war im März 2002 in Indonesien nicht erhältlich!!!

Gute Informationsguelle: Das Selbstreisehandbuch I der DZG

Gutes Reisemedizinhandbücher:

Doc Holiday, Outdoorhandbuch (Conrad Stein Verlag)
- klein, kompakt, aktuell, 100 Seiten DIN A 6,

Wo es keinen Arzt gibt (reise know-how)
- mit 350 Seiten Taschenbuchformat deutlich schwerer, gibt aber für den medizinischen Laien mehr hilfreiche Tips zur Eigentherapie, wird deshalb für Expeditionen und Rucksackreisende "off the beaten tracks" z.B. von National geographic und anderen empfohlen, auf den normalen Routen von Rucksackreisenden macht da eine gute private Auslandsreisekrankenversicherung (Reisezeit angeben) mit Rückreisetransport mehr Sinn.


Mark
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MArtin
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Ungelesener Beitrag von MArtin »

Thompazoni hat geschrieben:Besten Dank, das nenne ich mal eine ausfuehrliche Antwort! Also wohl doch Doxy...!?? Moeensch, alles nicht so einfach... wenn ich Dich richtig verstanden habe, kann man aber in jedem Fall das Medikament absetzen/ersetzen, wenn Nebenwirkungen wirklich eintreten sollten?
Klar kannste, würd' ich aber tatsächlich überlappend in Zusammenarbeit mit einem Mediziner machen, damit Du den Schutz nicht verlierst.
Thompazoni hat geschrieben:Ich denke, ich werde das Rezept auf jeden Fall einloesen und dann vor Ort entscheiden. Werde wohl sowieso kaum vor Dezember in Thailand eintreffen.
Jo, halte ich für 'ne gute Idee. :D
MArtin
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Ungelesener Beitrag von Thompazoni »

Noch eine letzte Frage zu diesem Thema: Ich habe jetzt gehoert, dass man Doxy rezeptfrei in allen Apotheken Thailands bekommen kann, und zwar fuer ca. 100 Baht fuer 10 Tabletten, also einem Bruchteil dessen, was es mich hier kosten wuerde.

Ist das ratsam, oder wie sieht es dort mit Medikamentenfaelschung aus?

Slan,

Thompazoni
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